Provisionsfrei oder Plattformgebühr? Warum die Kostenfrage in der betrieblichen Altersvorsorge neu gestellt werden muss

Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) ist eine vom Arbeitgeber organisierte Form der Altersabsicherung, bei der Beiträge für Mitarbeitende in Vorsorgeprodukte investiert werden.

Digitale Lösungen für die betriebliche Altersvorsorge werben offensiv mit dem Versprechen „provisionsfrei“. Doch ein zweiter Blick lohnt sich: Wer Plattformgebühren, Verwaltungsentgelte und Servicepakete einrechnet, kommt in vielen Fällen zu einem anderen Ergebnis als die Werbeaussage vermuten lässt. Eine anbieterunabhängige, mathematische Einordnung für Arbeitgeber, HR-Verantwortliche und Entscheider.

Hinweis zur Methodik

Dieser Beitrag vergleicht Modelle der betrieblichen Altersvorsorge, nicht Anbieter. Die Betrachtung ist anbieterunabhängig, neutral und wertfrei – sie folgt mathematischen Kennzahlen, nicht weltanschaulichen Präferenzen.

Ziel ist es, Entscheidern eine belastbare Grundlage zu liefern, um die Wirtschaftlichkeit einer betrieblichen Altersvorsorge realistisch einschätzen zu können.

Worum es bei der betrieblichen Altersvorsorge wirklich geht

Die Auswahl eines Anbieters für die betriebliche Altersvorsorge ist längst keine reine Produktentscheidung mehr.

Kernaussage: Nicht das Label („provisionsfrei“), sondern die tatsächlichen Kosten über 20–30 Jahre entscheiden über den Erfolg.

Entscheidend ist:

  • Wie hoch sind die Gesamtkosten?
  • Wie entwickelt sich das Kapital?
  • Was kommt am Ende beim Mitarbeitenden an?

Genau hier zeigt sich: Digitale Plattformmodelle können – je nach Struktur – langfristig teurer sein als klassische Lösungen.

Provisionsfrei bedeutet nicht automatisch günstiger

Viele Anbieter positionieren sich im Bereich der betrieblichen Altersvorsorge als provisionsfrei.

Wichtige Einordnung: Provisionsfrei heißt nicht kostenfrei.

Typische Kostenbestandteile:

  • Plattformgebühren
  • laufende Verwaltungsentgelte
  • Servicepakete
  • indirekte Kosten über Tarifpartner

Kernaussage: Laufende Kosten wirken über Jahrzehnte – und können die Rendite erheblich reduzieren.

Vereinfachtes Beispiel

Modell A – provisionsfrei digital:
0 € Abschlussprovision, 10 € pro Monat Plattformgebühr, 0,5 % Verwaltung pro Jahr

Modell B – klassischer Tarif:
einmalige Abschlusskosten, geringe laufende Gebühren

Ergebnis: Nach langer Laufzeit kann Modell B wirtschaftlich besser sein.

Wichtiger Effekt: Fixe Gebühren wirken bei kleinen Beiträgen überproportional.

  • 100 € Beitrag → 10 € Gebühr = 10 %
  • 250 € Beitrag → 10 € Gebühr = 4 %

Die entscheidende Frage: Was kostet die betriebliche Altersvorsorge wirklich?

Statt Marketingaussagen zählen diese Kennzahlen:

  • Effektivkostenquote (Reduction in Yield)
  • Gesamtkosten über die Laufzeit
  • Endkapital nach Kosten
  • Portabilität
  • Verhältnis Garantie vs. Rendite
  • vollständige Kostentransparenz

Kernaussage: Nur diese Zahlen zeigen, ob eine bAV wirtschaftlich sinnvoll ist.

Zwei Modelle in der betrieblichen Altersvorsorge

1. Beratung mit Standardtools

  • Nutzung etablierter Plattformen
  • keine zusätzliche SaaS-Kostenstruktur
  • Fokus auf Tarifoptimierung

2. SaaS-Plattform

  • eigene Infrastruktur
  • monatliche Gebühren pro Vertrag
  • Fokus auf digitale Experience

Zentrale Frage: Braucht es zusätzliche Plattformkosten – oder sind bestehende Lösungen ausreichend?

Die Kostenfrage im Detail

Typische SaaS-Kosten:

  • ca. 10 € pro Mitarbeiter / Monat

Beispiel:
50 Mitarbeitende → 6.000 € pro Jahr
→ 30.000 € in 5 Jahren

Kernaussage: Plattformkosten müssen durch echten Mehrwert gerechtfertigt sein.

HR-Entlastung: Kein Alleinstellungsmerkmal mehr

Digitale Prozesse sind heute Standard. Dazu gehören:

  • digitale Anträge
  • automatische Datenübertragung
  • Schnittstellen zur Lohnbuchhaltung

Kernaussage: Digitalisierung allein rechtfertigt keine zusätzlichen Kosten.

Gruppentarife als unterschätzter Faktor

Ein entscheidender Punkt in der betrieblichen Altersvorsorge:

  • günstigere Konditionen
  • bessere Fonds
  • niedrigere Kosten

Mitarbeitende merken:

  • Vertragswert
  • Rendite
  • Arbeitgeberzuschuss

Nicht: welche Plattform im Hintergrund läuft

Wann welches Modell sinnvoll ist

SaaS sinnvoll, wenn:

  • starkes Wachstum
  • komplexe HR-Strukturen
  • Fokus auf Employee Experience

Beratung sinnvoll, wenn:

  • Kosten im Fokus stehen
  • mittelständische Struktur
  • individuelle Betreuung gewünscht

Was Unternehmen konkret einfordern sollten

  • vollständige Kostenübersicht
  • Effektivkostenquote
  • Endkapitalprognose
  • Tarifkonditionen
  • Portabilität
  • Transparenz

FAQ: Betriebliche Altersvorsorge

Was kostet eine betriebliche Altersvorsorge wirklich?

Die Kosten hängen vom Modell ab. Entscheidend sind nicht einzelne Gebühren, sondern die Gesamtkosten über die gesamte Laufzeit.


Ist eine provisionsfreie bAV günstiger?

Nicht zwingend. Laufende Plattformgebühren können langfristig höhere Kosten verursachen.


Welche Kennzahlen sind bei der bAV entscheidend?

Effektivkostenquote, Gesamtkosten, Endkapital und Transparenz sind die wichtigsten Faktoren.


Wann lohnt sich eine digitale Plattform?

Wenn sie messbaren Mehrwert liefert – z. B. durch höhere Teilnahmequoten oder echte HR-Entlastung.


Was ist der häufigste Fehler bei der bAV-Auswahl?

Sich an Marketingbegriffen statt an realen Kosten und Ergebnissen zu orientieren.

Fazit: Betriebliche Altersvorsorge braucht Transparenz

Zentrale Erkenntnis: Provisionsfrei ist kein Qualitätssiegel.

Die betriebliche Altersvorsorge sollte immer auf Basis von Kosten, Rendite und Transparenz bewertet werden. Nicht auf Basis von Labels.

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